Tiere sind keine Sachen

Leserbrief von Dipl.-Ing. Arend Kamphorst

 

Verehrte Züchterin, verehrte Züchter, liebe Leserinnen und Leser,

 

bisher war die Petition – Tiere sind keine Sachen – ein großer Erfolg. Mittlerweile haben gut 5.000 Menschen, vorwiegend Züchterinnen und Züchter, die Petition unterschrieben. In vielen Kommentaren beschreiben sie ihre Erfahrungen mit diesem Kaufrecht, das Pferde (und auch andere Tiere) mit toten Gegenständen nahezu gleichgesetzt hat.

 

Neben vielen Problemen und Ärgernissen, die dieses Kaufrecht für Tiere mit sich gebracht hat, rückt ein Aspekt immer mehr in den Vordergrund:

Symbolfoto. pixabay

In der heutigen Wegwerfgesellschaft ist es mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden, dass Waren und Artikel bestellt, reklamiert, zurückgeschickt und im Falle mancher Onlineversandhäuser, oftmals sogar veernichtet werden. In ähnlicher Weise reklamieren Käufer nun auch Pferde und wissen dabei um die Beweislastumkehr und die langjährige Gewährleistung, die sie dabei in Anspruch nehmen können. Selbst, wenn eine Ankaufsuntersuchung gar keine Beanstandungen erbracht hat!

 

Das hat für die betroffenen Tiere oftmals katastrophale Folgen. Hat ein Tierkäufer das Pferd erst einmal reklamiert, will er das Tier in der Regel nicht mehr sehen – möchte es loswerden, es „wegwerfen“. Das hat Ähnlichkeit mit einer gescheiterten Ehe.

 

Das bis dahin gut gepflegte und gut ausgebildete Pferd wird kaum noch beachtet und muss während der zwei- oder dreijährigen Prozesszeit froh sein, wenn es überhaupt ausreichend Futter und Wasser bekommt. Erkrankt das Tier in dieser Phase, wird es mitunter stiefmütterlich behandelt, um als Käufer noch mehr dokumentieren zu können, dass das Tier zum Zeitpunkt der Übernahme mangelbehaftet gewesen sei.

 

Bei Gegenständen ist das anders. Wird eine Waschmaschine oder ein Gebrauchtwagen reklamiert, wird sie/er abgestellt. Die Waschmaschine oder der Gebrauchtwagen benötigen kein Futter, keine Betreuung, keine Pflege usw.

Mit einer relativ geringen gesetzlichen Änderung wäre diese Problematik zu beheben und das versuchen wir mit der Petition – Tiere sind keine Sachen – zu erreichen.
Wenn in dem bestehenden Gesetz für Tiere zugelassen wird, dass die Gewährleistungsfrist zwischen Käufer und Verkäufer frei verhandelbar sein kann und die sogenannte Beweislastumkehr  bei Tieren aufgehoben wird, wäre tierschutzrechtlich viel erreicht. Zudem würde eine solche Änderung die Pferdezüchter vor mitunter existenzbedrohenden Prozessen bewahren.

Von einem Tierkäufer kann und muss gefordert werden, dass er sich beim Erwerb eines Tieres auch der ethischen Verantwortung für das Tier bewusst ist und es nicht einfach nach Gutdünken „wegwerfen“ kann, zumal er den Umfang einer Ankaufsuntersuchung in der Regel sogar selbst bestimmt. Dies gilt ganz besonders für Reitpferde.
Von Käufer, der ein Pferd sportlich  nutzen will, kann und muss erwartet werden, dass er mit Respekt vor der Kreatur, Sorgfalt und Rücksicht auf die Belange des Lebewesens tätig wird. Seine Verantwortung für das Wohl des Tieres, für die Haltungsbedingungen, Pflege, Training und eine angemessene sportliche Nutzung ist dabei besonders zu betonen und darf nicht auf den Verkäufer abgewälzt werden.

Tiere sind keine Sachen - das muss aus ethischen und  aus Gründen des Tierschutzes gesetzlich berücksichtigt werden. Die derzeitige Gesetzgebung steht nicht mehr im Einklang mit § 20a des Grundgesetzes, wonach der Staat dem Tierschutz  verpflichtet ist.
Die Einreichung der Petition erfolgt mit Unterstützung des Rechtsanwaltes Dr. Horn, von der renommierten Anwaltskanzlei „Graf von Westphalen“ in Köln. Verschiedene Bundestagsabgeordnete haben Ihre Unterstützung bereits zugesagt.
Zudem wird die Petition unterstützt von mehreren Pferdezuchtverbänden, u. a. dem Hannoveraner Verband e.V., dem Oldenburger Pferdezuchtverband e.V., dem Zuchtverband Brandenburg-Anhalt und dem Westfälischen Pferdestammbuch e.V.

Für die Berichterstattung der Pferdezeitschriften und –magazine,  „Züchterforum“, „St. Georg“, „Der Hannoveraner“, „Pferde im Osten“, „Bayerns Pferde“, „Reiterrevue“, „Reiten und Zucht“ und „Reiten und Pferde Westfalen“, die das Thema einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht haben, möchten wir uns ausdrücklich bedanken.

Sprechen Sie bitte mit den Ihnen bekannten Bundestagsabgeordneten und bitten Sie Ihre Vertreter/Vertreterinnen im Bundestag um Unterstützung der Petition – Tiere sind keine Sachen.

Gez. Dipl.-Ing. Arend Kamphorst


Übrigens, bedauerlicher Weise haben wir bisher von Seiten der FN in Warendorf (Deutsche Reiterliche Vereinigung), die uns Züchtern vor ca. 17 Jahren 90 % der Züchterprämie genommen haben und momentan bemüht sind, auch die letzten 10 % noch zu streichen, trotz mehrfacher Versuche praktisch keinerlei Unterstützung erhalten.

(von der Redaktion leicht gekürzt)

Foto: Lafrentz
Februar Ausgabe 2020