Elitehengst Juventus lebt nicht mehr

Juventus unter Michael Thieme
Juventus unter Michael Thieme

Nur zwei Tage nach dem CSI in Redefin am 5. Mai 2015 wo Juven­tus noch im Show­pro­gramm an der Hand präsen­tiert wurde, ist das Aus­hänge­schild der Mecklen­burger Pferde­zucht in seiner Box fried­lich ein­ge­schla­fen.  

 

Ein Strahlemann - modern, edel, hochbeinig und kraftvoll- beschreibt ihn sein Reiter und Ausbilder Michasel Thieme  Juventus prägte einen Lebensabschnitt. Er wurde am 5. November 1988 in einer der größten und erfolgreichsten Zuchtstätten der damaligen DDR  in Gut Jürgensdorf, bei Fritz und Bernd Voss, gezüchtet und verkörperte mit der Julier-Linie (Jupiter, Juon I & II, die auf den Vollblüter Julius Caesar zurückgeht) eine der dominierenden Hengstlinien der 70er Jahre in Mecklenburg. Juventus wurde Körsieger und vom Anreiten bis zum Schluss war er immer ein Musterschüler. So ließen die Erfolge auch nicht lange auf sich warten. Bei der Hengstleistungsprüfung legte er ein super Ergebnis von über 150 Indexpunkten hin, eines der besten jemals erreichten Ergebnisse die je in der Bundesrepublik je erzielt wurden. Juventus hatte drei sehr reelle Grundgangarten, war überdurchschnittlich rittig und konnte auch springen. Es war immer eine Schau, wenn bei den Hengstpräsentationen der Dressurhengst Juventus im Freispringen zum Abschluss locker über den höchsten Sprung (Stange auf dem Ständer aufgelegt) flog. 1993 Thieme und Juventus  die Ersten, die nach der Wende auf einem Mecklenburger Zuchtprodukt „einen Fuß in die Tür bekamen“. Mit guten Platzierungen konntensie sich jeweils in den darauffolgenden Jahren mehrfach für das Bundeschampionat qualifizieren und platzieren. Mehrere Landesmeistertitel und zahlreiche Siege und Platzierungen in Dressuren bis Klasse S folgten.In der Zucht waren es vor allem die Töchter, über die sich Juventus einbrachte. 140, von denen 20 die Staatsprämie erhielten, sind bis heute erfolgreich im Sport vertreten. Aus dieser Nachzucht ist besonders der von André Plath gerittene, Chacco Blue-Sohn „Cosmic Blue“, gezüchtet von Jörg Hünemörder, zu erwähnen, der beim Hamburger Derby 2014 den zweiten Platz erreichte.   Aber auch nach seiner großen sportlichen Laufbahn leistete Juventus noch hervorragendes als Lehrpferd in der Redefiner Reitschule. So mancher Reitschüler hat auf Juventus seinen ersten fliegenden Galoppwechsel geritten, oder das erste Mal eine Piaffe oder Passage gefühlt.


Ich nehme Abschied, aber ich trage das Glück, Juventus geritten zu haben,  immer in meinem Herzen.  


Michael Thieme 

Malte Laub, Foto: ACP-Pantel
Aktuelle Ausgabe, Juni 2018